Kontext: Die Idee für dieses Meme kam mir im Zuge einer Bewerbung bei einem Unternehmen, welches im Finanzmarkt aktiv ist. Ich erinnerte mich an die Zeit, als ich als Student bereits auf der Suche nach dem großen Geld war und dachte, dies würde ich bei einem Finanzvertrieb erhalten.
Ein Verkaufsargument damals war der sogenannte Cost-Average-Effect (zu Deutsch: Durchschnittskosteneffekt, auch dollar-averaging effect genannt im Englischen). Dieses Konzept beschreibt regelmäßige Investitionen fester Beträge in (volatile) Wertpapiere, bei dem Kursschwankungen dazu führen, dass im Durchschnitt Anteile zu einem günstigeren Preis erworben werden. Bei hohen Kursen werden weniger, bei niedrigen Kursen mehr Anteile gekauft, sodass je Anteil das harmonische statt des arithmetischen Mittels der Preise gezahlt wird. Oder anders formuliert: Kursverluste wiegen weniger schwer, da man durch den regelmäßigen Kauf von Anteilen mehr Anteile in schlechten Phasen erwirbt und somit an zukünftigen Kursgewinnen stärker partizipiert. Es senkt also das Verlustrisiko solcher Anlagen – so zumindest die Theorie.
Das scheint durchaus schlüssig und intuitiv nachvollziehbar zu sein (deswegen nutzen wir es ja leider als Verkaufsargument) – in der Realität zeigt sich aber, dass das Anlegen von größeren Einmalbeträgen oftmals mit weniger Risiko verbunden ist als das regelmäßige Anlegen kleinerer Beträge.1
An dieser Stelle sei angemerkt, dass ich die Bezeichnung als Effect sehr trügerisch finde. Es suggeriert, als wäre dies eine empirische Gegebenheit. Es ist jedoch genau andersherum: Es ist ein theoretisches Konzept, welches empirisch nicht tragbar ist.2
Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass dieses Konzept so manchen risikoscheuen Menschen erst vom Investieren überzeugt hat – fast schon wie eine Lüge, die Gutes bewirkt.
Vgl. Rozeff, M.S., 1994. Lump-sum investing versus dollar-averaging. Journal of Portfolio Management, pp.45–50.. In dem Artikel zeigt Rozeff, dass die Einmalanlage dem Cost-Average-Effect an Rendite überlegen ist in Märkten mit positiven erwarteten Risikoprämien – sprich Märkte für Wertpapiere, deren Kurse einen allgemeinen positiven Trend verfolgen. ↩︎
Vgl. hierzu auch Constantinides, G.M., 1979. A note on the suboptimality of dollar-cost averaging as an investment policy. Journal of Financial and Quantitative Analysis, 14(2), pp.443–450. ↩︎
